Manche Begegnungen haben eine Forsetzung - auch wenn fünf Jahre dazwischenliegen.
Als Barbara Otte-Kinast vor fünf Jahren nach Deindrup kam, war unser Inklusionshaus noch eine Baustelle. Als damalige Landwirtschaftsministerin überbrachte sie persönlich den Förderbescheid und nutzte die Gelegenheit, sich das Projekt anzusehen, von dem sie bereits einiges gehört hatte. Vor allem die Begegnung mit den Bewohnerinnen und Bewohnern des Sonnenhofes blieb in guter Erinnerung. Es wurde erzählt, gelacht und diskutiert – ganz ohne große Distanz zwischen Ministerin und Gästen.
Irgendwann fiel damals der Satz, dass man sich das fertige Haus ja noch einmal ansehen könne.
Dazu kam es zunächst nicht. Die Landesregierung wechselte, Barbara Otte-Kinast wechselte vom Ministerium in den Niedersächsischen Landtag und ist heute dessen stellvertretende Präsidentin.
Warum also auf einen erneuten Besuch in Deindrup warten? Dann fahren wir eben nach Hannover!
Eine E-Mail machte sich auf den Weg – und geriet bei uns nach einigen Monaten fast schon wieder in Vergessenheit. Umso überraschender kam schließlich der Anruf aus Hannover: Natürlich erinnere man sich an Deindrup und den Sonnenhof – und selbstverständlich seien wir zu einem Besuch im Landtag willkommen.
Am 27. August war es dann so weit. 35 Teilnehmerinnen und Teilnehmer vom Sonnenhof und aus der Dorfgemeinschaft Spreda-Deindrup machten sich gemeinsam auf den Weg nach Hannover.
Was uns dort genau erwarten würde, wusste eigentlich keiner. Dass es weit mehr als eine gewöhnliche Landtagsführung werden sollte, merkten wir allerdings ziemlich schnell.
Barbara Otte-Kinast ließ es sich nicht nehmen, uns persönlich im Foyer zu begrüßen und anschließend selbst durch den Landtag zu führen. Mehr als zwei Stunden lang öffneten sich Türen, hinter die Besucher sonst nicht unbedingt schauen können.
Natürlich war der Plenarsaal einer der Höhepunkte. Statt ihn nur von der Besuchertribüne aus zu betrachten, durften wir mitten hinein und auf den Plätzen der Abgeordneten sitzen.
Und wenn man schon einmal dort sitzt, kann man natürlich auch nachsehen, was sich eigentlich in den Schubladen der Abgeordnetenplätze befindet …
Wir wissen es jetzt. Mehr wird nicht verraten.
Auch vor den normalerweise abgesperrten Plätzen des Landtagspräsidiums war für unsere Gruppe nicht Schluss. Für einen kurzen Moment konnten wir ausprobieren, wie sich der Blick von ganz vorne auf den Plenarsaal anfühlt.
Mindestens ebenso interessant wie die Räume waren aber die Gespräche. Unsere Fragen wurden offen und ausführlich beantwortet, politische Abläufe erklärt und ganz nebenbei gab es manche kleine Geschichte aus dem Landtagsalltag, die vermutlich in keinem offiziellen Besucherprogramm steht.
Gerade diese persönliche Art machte den Besuch besonders. Aus der geplanten Besichtigung wurde so ein ausgesprochen kurzweiliger Blick hinter die Kulissen der Landespolitik.
Und plötzlich waren mehr als zwei Stunden vorbei.
Zum Abschied meinte Barbara Otte-Kinast, man sehe sich im Leben schließlich immer zweimal.
Da mussten wir ein wenig rechnen: Das zweite Mal war ja gerade vorbei.
Also verständigten wir uns vorsichtshalber darauf, dass gegen ein drittes Treffen nichts einzuwenden wäre. Und vielleicht findet das dann wieder dort statt, wo alles angefangen hat – beim Sonnenhof und unserem inzwischen längst fertiggestellten Inklusionshaus in Deindrup.
Nach so viel Landespolitik hatte allerdings erst einmal ein wesentlich bodenständigeres Thema Priorität: Wir hatten Hunger.
Auf der Rückfahrt legten wir deshalb im Landhaus Meinkingsburg in Linsburg einen Zwischenstopp ein. Dort wartete bereits ein reichhaltiges Mittagsbuffet auf unsere Gruppe. Anschließend ging es gut gestärkt zurück nach Deindrup.
Was von diesem Tag bleibt, sind viele interessante Einblicke, einige schöne Geschichten und vor allem die Erinnerung an eine außergewöhnlich persönliche Führung durch den Niedersächsischen Landtag.
Und vielleicht auch die Erkenntnis, dass aus einer spontanen E-Mail manchmal ein richtig schöner gemeinsamer Ausflug werden kann.
Fortsetzung nicht ausgeschlossen.
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